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Die Bedeutung des zentralen Gemeinschaftsmarketings für die Wettbewerbsstellung der deutschen Milchwirtschaft

- Kurzfassung -
Holger R. Schmidt, 1995

Um die Wettbewerbsstellung der deutschen Land- und Ernährungswirtschaft zu verbessern, wird seit 1969 auf der Grundlage des Absatzfondsgesetzes ein zentrales Gemeinschaftsmarketing durchgeführt. Die Aufgabenstellung der vorliegenden Untersuchung besteht in der Analyse der Bedeutung des zentralen Gemeinschaftsmarketings für die Wettbewerbsstellung der deutschen Milchwirtchaft Vergleich zu Dänemark und den Niederlanden sowie der Ableitung notwendiger Handlungskonsequenzen.

Die wesentlichen wettbewerbsrelevanten Probleme des deutschen Milchsektors liegen in

  1. deutchlich höheren Kosten der Milchproduktion und -verarbeitung
  2. Qualitätsnachteilen bei Rohmilch, trotz erheblicher Verbesserungen in den letzten Jahren
  3. Qualitäts- und Imagedefiziten bei den Molkereiproduktgruppen Butter und Käse
  4. Marktanteilsverlusten, vor allem im Segment der hochpreisigen Qualitätsbutter

Schwerpunkt des erzeugerfinanzierten Gemeinschaftsmarketings in den drei Untersuchungsländern bildet die Absatzförderung (z.B. Gattungswerbung). Die Finanzmittel für zentrale Absatzförderung sind vor allem aus zwei Gründen ineffizient eingesetzt:

  1. Die strukturelle Überschußsituation auf dem EU-Milchmarkt schliesst einen nachrfragebedingten Ansteig der sektoralen Erzeugerpreise über das Niveau der Interventionsverwertung aus.
  2. Mengeneffekte einer zentralen Absatzförderung bieten keinen ökonomischen Nutzen für die Milcherzeuger, da das Quotensystem die maximal absetzbare Milchmenge bestimmt. Den Preis dieser Gesamtmilchmenge bestimmt die Überschußsituation in Verbindung mit dem Interventionssystem.

Dies bestätigt der Milchpreisvergleich zwischen den drei Ländern. Obwohl die dänischen und niederländischen Milcherzeuger mit ca. 6,57 bzw. 7,64 DM/t Rohmilch deutlich höhere Beiträge für Gemeinschaftsmarketing aufwenden als die deutschen Erzeuger mit 1,15 DM/t Rohmilch (Bezugsjahr 1991), besteht keine eindeutige Überlegenheit in der Rohstoffverwertung.

Die Verbesserung der Wettbewerbsstellung des deutschen Milchsektors erfordert nicht nur ein anpasstes Gemeinschaftsmarketing, sondern vor allem eine wettbewerbsorientierte nationale Agrarmarktpolitik.

Die CMA sollte

  1. die derzeit ineffiziente zentrale Absatzförderung für Molkereiprodukte aussetzen
  2. die Zwangsabgaben der Erzeuger vor allem zur wettbewerbsorientierten Forschungsförderung in den Molkereien verwenden
  3. die Kosten aller CMA-Dienstleistungen vollständig auf die Nutzer überwälzen
  4. auf weitergehende, gemeinschaftlich finanzierte Massnahmen verzichten. Wirkungsvolle, zentrale, kostensenkende und qualitätsverbessernde Aktivitäten der CMA setzen den hierarchischen Einfluss auf Unternehmen voraus und sind im Rahmen der marktwirtschaftlichen Wettbewerbsordnung abzulehen.

Durch diese Neukonzeption kann der Beitrag der deutschen Milcherzeuger für Gemeinschaftsmarketing von derzeit 2,40 auf 1 DM/t Rohmilch zurückgeführt werden.

Der wichtigste Ansatzpunkt zur nachhaltigen Sicherung der Milchproduktion und -verarbeitung in der BR Deutschland liegt im Abbau der Kostennachteile. Bezogen auf die produzierte Milchmenge könnten insgesamt bis zu 3,5 Mrd. DM Einkommen für den deutschen Milchsektor erschlossen werden. Koordinierte Impulse müssen daher vor allem den Strukturwandel der Unternehmen beschleunigen. Darüber hinaus ist das Qualitätssicherungssystem von Milch und Molkereiprodukten zu verbessern sowie die kooperative Forschung und Entwicklung der Molkereien zu intensivieren.


Aachen: Shaker, 1995
(Berichte aus der Agrarwissenschaft)
ISBN 3-8265-0775-4

Zuletzt geändert:10.12.2010